Schwarzwasserhütte
Allgäuer Alpen  1651 m - Heinz Wember

In einem der weltabgeschiedensten Winkel der Vorarlberger Zollexklave Kleinwalsertal, bei den Quellwassern des Schwarzwasserbachs, liegt in den westlichen Walsertaler Bergen die Schwarzwasserhütte. Sie wurde in den Jahren 1914 bis 1922 erbaut und lädt Wanderer und Skitourengeher zu einem mehrtägigen Bergerlebnis am Rande der Allgäuer Alpen ein.

Das Spannende am oberen Schwarzwassertal (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Tiroler Lech-Seitental) ist der auffallende Gegensatz der beiden Gebirgsformationen. Der Hüttenzustieg trennt die südlich des Schwarzwasserbachs aufragenden grünen Flyschberge vom wilden Felsenreich des nördlich angrenzenden Helvetikums. Stolzester Vertreter der aus der Kreidezeit stammenden helvetischen Zone und Schaustück der beliebten Alpenvereinshütte ist der Hohe Ifen, eine der eigenwilligsten Berggestalten der Nördlichen Kalkalpen. Mit einem Schiffsbug wird das sanft nach Süden hin geneigte und in teilweise lotrechten, hellen Mauern abbrechende Schrattenkalkdach manchmal verglichen. Einst war diese geologische Großeinheit gänzlich vom weicheren Flysch bedeckt. Erst die anhaltenden Erosionsprozesse haben die helvetischen Schichten bloßgelegt, an denen nun ihrerseits der Zahn der Zeit nagt und immer wieder riesige Blöcke auf den weichen Mergeln der Drusbergschichten abgleiten und in die Tiefe donnern läßt.

Ab dem Steinmannl sind die Berge aus dem Flysch der Tertiärzeit aufgebaut. Im Sommer erfreuen die eher gerundeten Formen der Gipfel, die teilweise steile Flanken haben, den Bergwanderer mit einer üppigen Vegetation. Zur Winterszeit tummeln sich in dem bekannten Skigebiet um Riezlern mit dem Skizirkus Fellhorn - Kanzelwand Tausende Brettlfans. An der herrlichen Berglandschaft um die Schwarzwasserhütte ist die Lifterschließung vorübergegangen. So zeichnet sich die Schwarzwasser-Bergumrahmung auch heute noch als eines der lohnendsten Skitourengebiete der Allgäuer Alpen aus. Von der Hütte aus existieren mehr Skirouten als markierte Sommertouren.

Lage der Hütte
Der auf einem Absatz überm Taischluß des Schwarzwassertals, nahe des Gerachsattels, in 1651 m Höhe gelegene Doppelbau der Schwarzwasserhütte gehört der DAV-Sektion Schwaben, Tel. (D)-711/7696366, ist von Weihnachten bis Ostern und von Pfingsten bis Mitte Oktober bewirtschaftet und verfügt über 71 Schlafplätze und einen Materiallift mit Talstation bei der Melköde.
Hüttenpächter: Peter und Petra Zwischenbrugger
Reservierung: Tel. Hütte: 0043/5517-30210
  Fax Hütte: 0043/5517-30230
  Tel. Tal: 0043/5333-5582 (während der nicht bewirtschafteten Zeit)
Koordinaten:
UTM: geographisch:
X Koordinate: 5242540
Y Koordinate: 32T0582154
Bezugsmeridian: WGS84
Längengrad: 10°05'14"
Breitengrad: 47°19'52"


Talon und Zufahrt
Die Auenhütte (1275 m) an der Talstation des Ifenlifts ist von Oberstdorf (B 19 von Kempten) auf der Bundesstraße durchs 
Kleinwalsertal und ab Riezlern auf einer teilweise steilen Bergstraße ganzjährig mit Bus und Auto erreichbar.

Hüttenanstiege
1. 1 1/2 Std. dauert der gewöhnliche, im Sommer und Winter identische Zugang von der Auenhütte durchs Schwarzwassertal. Der als Naturlehrpfad angelegte Alpweg, anfangs Fußweg, führt flach unterm Hohen Ifen an Gletschermühlen und Versickerungsstellen vorbei und nach der Bergsturzzone des Rüchewaldes über ein Weidegebiet zur Melköde (1346 m) im Talschluß. Von dort steigt ein breiter Wanderweg über Alpweiden und eine reizvolle Hochmoorlandschaft zur Hütte an. Im Winter ist die nicht ganz lawinensichere Route gewalzt. Dem Lawinenstrich vor der Melköde kann man über die Galtöde ausweichen.

2. Ein weiterer Zustieg, 1 1/2 Std. im Sommer und 1 Std. auf der Skiroute, ergibt sich von Schoppernau im Bregenzerwald mit Hilfe der beiden Sektionen des Diedamskopf-Sessellifts und über den Diedamssattel (1775 m) und Gerachsattel (1752 m).

Im Sommer bieten sich außerdem an: die Routen von Baad über die Innere Tura-Alp (1386 m) und die Starzelalp (1678 m), 2 1/2 Std., sowie von der Walmendinger-Horn-Bahn über die Muttelbergalp (1760 m) und die Äußere Stierhofalp (1710 m), 2 Std., jeweils mit Abstieg von der Ochsenhofer Scharte (1851 m).

Darüber hinaus existieren noch zwei Aufstiege aus dem Bregenzerwald: entweder von Schoppernau über die Hornbergalp (1289 m), die Althornbachalp (1666 m), das Starzeljoch (1867 m) und die Ochsenhofer Scharte (3 1/2 Std.) oder von Bezau-Schönenbach über die Miesbodenalp (1210 m) und den Gerachsattel, 3 Std.

Karten und Führer
Freytag & Berndt, WK 363 »Oberstdorf - Kleines Walsertal - Sonthofen« (Maßstab 1: 50 000).
Alpenvereinsführer »Allgäuer Alpen« von Dieter Seibert und Heinz Groth; Gebietsführer »Allgäuer Alpen« von Dieter Seibert und Heinz
Groth;    
                                           
Steinmannl
Abfahrt vom Steinmannl,  Foto: Thomas Holzmann

Skitouren
Sämtliche Unternehmungen im Bereich der Schwarzwasserhütte erfordern sichere Lawinenverhältnisse.
1. Der gefragteste Skigipfel der Bergrunde, ein nicht zu unterschätzender Grasberg, ist das Grünhorn (2039 m), 1 1/2 Std. Der Aufstieg verläuft nach der südlichen Querung eines Grabens über einen respektablen Steilhang zur Ochsenhofer Scharte (1851 m) und über den nicht minder anspruchsvollen Südosthang.

2. Ebenfalls über die Ochsenhofer Scharte und die kurzen Südhänge erreicht man die beiden Ochsenhofer Köpfe (1950 m und 1960 m), je 1 1/2 Std., und den Muttelbergkopf (1989 m), 1 3/4 Std., auch Lüchlekopf genannt.

3. Die Litzescharte (1875 m), 2 Std., zwischen den beiden Ochsenhofer Köpfen wartet mit einer rassigen Nordroute über die Galtochsenhofalp (1540 m) zur Galtöde im Taischluß des Schwarzwassertals auf. Sie läßt sich in eine empfehlenswerte Rundtour mit Aufstieg über die Ochsenhofer Scharte einbinden.

4. Am schnellsten steigt man dem Steinmannl (1981 m), 1 Std., »aufs Dach«. Man spurt kurz nach Westen und gewinnt über den  Ostrücken und die Hochmulde auf zuletzt steilem Kurs den Gipfel.

5. Der Hehlekopf (2Auskunft: Peter Zwischenbrugger, D-87568 (A-6992) Hirschegg 89, Tel. Hütte (A)-663/52642 oder (A)-6058 m), 11/2 Std., bietet gleich zwei gängige und hübsche Skiabfahrten. Der eine Aufstieg führt nach der Zollhütte ohne sonderliche Steigung nordöstlich über Bachgräben und das anschließende Muldengelände zur Ifersguntalp (1750 m). Über herrliche weite Skiböden und den steilen Schluß- hang erreicht man den Gipfel. Die andere Route leitet flach unterm Steinmannl vorbei zum Gerachsattel (1752 m) und etwas steiler als der erste Vorschlag über die prächtigen Südhänge und den obersten Südwestgrat zum höchsten Punkt. Man kann den Gipfel auch schon von der Zollhütte (1650 m) aus anpeilen.

6. Das anspruchsvollste Ziel (nur bei absolut sicheren Bedingungen!) ist der Hohe Ifen (2230 m), 2 Std., ein prächtiger Aussichtsgipfel Die Route erfordert ein perfektes Beherrschen der Ski im Steilgelände und wegen der ostgerichteten Hänge einen frühen Aufbruch. Man wählt zur Ifersguntalp dieselbe Route wie zum Hehlekopf. Nach einem weiten Bogen durch ein Trümmerkar erfolgt der Steilaufstieg durch die Bresche in der senkrecht abbrechenden Ifenmauer (am besten zu Fuß). Zuletzt geht's gemütlich über das harmlose Gipfeldach.

7. Ganz im Schatten der berühmten Nachbarn stehen die beiden einsamen und weniger rassigen, dafür auch kaum gefährdeten Ziele Pellinger Köpfle (2003 m) und Ifersguntenhöhe (1945 m), je 1 1/2 Std. Eine eigenwillige Ausstrahlung üben die etwas monotonen, arktisch anmutenden und in ansehnlichen Fluhen zur Subersach hin abstürzen Buckelböden auf den Tourengeher aus. Beide Berge sind ebenfalls über die Ifersguntalp zu erreichen. Die Ifersguntenhöhe erkennt man als einen Punkt, der westlich des Ifens über die unscheinbaren Graterhebungen leicht herausragt. Das Pellingerköpfle markiert den Eckpunkt des Gratverlaufs zum Hehlekopf.

8. Die von unserer Hütte am wenigsten besuchten Skiberge sind der Falzer Kopf (1968 m) und das Kreuzmannl (1974 m), je 2 Std. Man gewinnt sie über den Gerachsattel und steil über das zwischen beiden Gipfeln eingebettete Neuhornbachjoch (1850 m).
Zu beachten ist, daß die ehemals üblichen Aufstiege von der Melköde zur Ifersguntalp sowie der direkte Gipfelaufstieg von der Melköde zum Ifen nicht mehr erlaubt sind, weil sie in einem ganzjährig gültigen Wildschutzgebiet liegen.

Gipfeltouren
Bergpfade führen im Sommer in etwa auf den genannten Routen zum Grünhorn, Steinmanni, Diedamskopf und Hohen Ifen, von dem sich auch der anregende Nordabstieg lohnt. Der Falzer Kopf wird über den Diedamssattel erreicht. Falzer Kopf, Kreuzmanni, Steinmanni, Grünhorn, die Ochsenhofer Köpfe, der Muttelberg- kopf und das Walmendinger Horn bieten sich darüber hinaus für erfahrene Bergwanderer zu einer sportlichen Überschreitung an.



Rother Wanderführer »Allgäu 1 - Oberallgäu« von Dieter Seibert; TourenDisk (CD) »Allgäuer Wanderberge« von Herbert Mayr; Rother Wanderbuch »Allgäuer Wanderber- ge« von Herbert Mayr; Skiführer »Allgäuer Alpen« von Dieter Seibert; alle Bergverlag Rother, München.

Karte Schwarzwasserhütte
Herbert Mayr

großes Foto von der Schwarzwasserhütte   DAV Sektion Schwaben: Schwarzwasserhütte
eigene Fotos von einer Skitour zum Hehlekopf Quelle: Alpenvereinskalender 2000, Blatt Januar


Wanderseite Heinz Wember

Heinz Wember
Änderungsstand: 20-Nov-2012 upd 04-Mai-2018